Happy End-Geschichte von MISIU

Als im August diesen Jahres unser Schäfi Hanno mit nur ca. 7 Jahren über die Regenbogenbrücke gehen musste, wollten wir eigentlich so schnell keinen 2. Hund mehr. Zu sehr tat es weh, ihn so jung und obendrein nach so kurzer Zeit wieder verloren zu haben. (Er durfte nur 22 Monate bei uns sein bevor er den Kampf gegen den Krebs verloren hat.) Außerdem schien unsere Fruza gar nicht so unglücklich als Einzelkind zu sein. Und sowieso ist sie unglaublich wählerisch was Ihre Gesellschaft angeht.

Trotzdem tat ich das was ich immer tat – nämlich mich in den Hunde-Vermittlungsportalen umzusehen – nur so, ein 2. Hund sollte ja (noch) nicht sein….. für mich zumindest… Für Thomas schon. Für ihn war die Ruhe im Haus schnell unerträglich.

Aber wenn ich mich wieder auf einen 2. Hunde einlasse, dann bitte einen der in etwa in Fruzas Alter ist. Zum einen wollte ich nie wieder einen Hund so jung gehen lassen müssen, zum anderen musste früher immer einer unserer Fellnasen zurückstecken weil die Gassirunden entweder für die eine zu lang und stressig oder für den anderen zu kurz und langweilig waren. Außerdem sollte es dieses Mal ein Hund aus der Nähe sein, damit wir vorher testen können ob es mit unserer Miss Eleganza auch funktioniert.

Also wurde bewusst nach grauen Schnauzen geguckt. Es gibt sooo viele tolle Senioren, die auf ein Zuhause warten. Wer sollte es werden?

Dann wurde auf „Couch-gesucht“ bei den „Notfällen der Woche“ Misiu vorgestellt…. und irgendwie hat er uns beide getroffen. Er hatte mit ca. 12 Jahren das passende Alter, war nicht zu klein und nicht zu groß und ein bisschen wie ein Schäfi sieht er auch aus. Aber er ist blind und nicht in der Nähe!? Was nun? Mit blinden Hunden hatten wir noch gar keine Erfahrung. Da gingen unsere Bedenken auseinander. Während ich blinde Hunde kennengelernt habe, denen man kaum anmerkte, dass sie blind waren, war Thomas sehr unsicher welcher Herausforderungen damit auf uns zukommen würden. Und dann war ja noch die Tatsache, dass er in Polen war. Was ist wenn er sich nicht mit Fruza versteht?

Nach einiger Zeit des hin und hers hat Thomas dann das Zepter in die Hand genommen und eine E-Mail an die SALVA-Hundehilfe geschickt. Schon am nächsten Tag kam umgehend die Antwort von Andreas Funk die Misiu persönlich kannte und ihn als soo liebenswert beschrieben hat, dass er für uns in Wirklichkeit schon zu diesem Zeitpunkt zu uns kommen sollte. Blieb noch das Thema mit der Entfernung. Misiu befand sich in Mielec, in der südöstlichsten Ecke von Polen?! Wir gingen nicht davon aus, dass er so schnell nach Deutschland kommen könnte. Was dann kam, hat uns unglaublich berührt: Die Tierschützer, die in Polen schon über 6 Jahre für Misiu gesorgt haben, waren sofort bereit Misiu bis an die deutsche Grenze zu bringen (das sind ca. 650 km !! pro Richtung) und Marion von SALVA hat ihn dann aus Frankfurt (Oder) abgeholt (auch das sind 480 km pro Richtung!). So kam es, dass wir nur ca. 2 Wochen nach unserer Anfrage unseren Misiu in Empfang nehmen durften. Für dieses einzigartige Engagement können wir gar nicht genug DANKE sagen!!

Nun ist Misiu schon seit fast 3 Wochen bei uns und alle Zweifel die wir je gehabt haben sollten sind verflogen.

Die ersten paar Tage waren noch etwas anstrengend weil unsere Fruza einfach nichts mit ihm zu tun haben wollte, inzwischen ist er absolut akzeptiert. Ein Herz und eine Seele werden sie wohl nicht werden, aber keiner würde dem anderen etwas antun, es gibt nicht einmal Futterneid.

Ach ja, und die Zweifel in puncto Blindheit? Auch völlig unbegründet – Misiu wurde und wird mit jedem Tag sicherer (und wir auch). Er bewegt sich nicht großartig anders als ein gesunder Hund – nur etwas vorsichtiger eben (ok – er rennt einem gerne von rechts nach links und zurück vor die Füße, aber das könnte auch an noch fehlernder Leinenführigkeit liegen :-))

Und er kann natürlich nicht unterscheiden ob die weiche Kuschelecke die er zum Schlafen „gefunden“ hat eher ein Körbchen mit Decke ist oder das untere Regal vom Kleiderschrank. Und ob ein Körbchen für ihn ist oder doch fürs Kaminholz kann er natürlich auch nicht sehen – Hauptsache man kann drin liegen 🙂  Neulich hat er doch glatt meine Teetasse auf dem Nachttisch mit dem Trinknapf verwechselt…. und ich frage mich das gerade zum ersten Mal passiert oder ob es nur zum ersten Mal mitbekomme…..

Über all diese Dinge können wir so herzlich lachen. Wir sind so froh dass er da ist.

Er ist der größte Schmuser der je bei uns gelebt hat. Er ist zu jedem freundlich, hat keine Ängste und ist sooo souverän und unkompliziert. Bisher haben noch nicht einen Tag bereut ihn zu uns geholt zu haben und können nur jedem Mut machen sich für einen Oldi oder blinden Hund zu entscheiden.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Andrea Funk und Marion Löbel vom SALVA-Team und bei den polnischen Tierschützern bedanken die sich alle so toll um Misiu gekümmert und bemüht haben – DANKE!

Thomas und Gudrun mit Fruza und Misiu