Weil Hunde uns am  Herzen liegen

Wie es wohl bei fast allen Tierschutzvereinen der Fall ist, kommen die meisten der von uns vermittelten Hunde aus dem Ausland. Dort ist die Not einfach um ein Vielfaches grösser, als hier bei uns in Deutschland. Doch im kalten Monat Dezember haben dank der SALVA Hundehilfe auch zwei deutsche Notnasen ein tolles Zuhause gefunden.


Da war zum einen Lucius, ich las von seinem Schicksal auf Facebook und war sofort wild entschlossen, für den armen Kerl das bestmögliche Zuhause aufzutun. Denn bei Lucius handelt es sich um einen  neunjährigen Schäferhundmischling, der zum Zeitpunkt des Postings bereits über eine Woche allein im Haus seines verstorbenen Besitzers ausharren musste. Zu seinem großen Glück wurde er von einer Nachbarin versorgt und auch immer mal wieder wenigstens in den Garten gelassen. Also  fuhr ich sofort nach Wannsee, um mir selbst einen Überblick über die trostlose Lage zu verschaffen.

Gemeinsam mit der Nachbarin und einer Freundin betraten wir das Grundstück und ich war sehr gespannt, was der Hund sagen würde, wenn er uns sieht. Am Telefon wurde mir vorab gesagt, dass er stolze 75cm messen solle und es ja nun gewohnt sei, allein im Haus zu leben. Über sein Territorialverhalten wurde nichts erzählt. Doch sowie die Tür aufging, schossen mir ob dieses unfassbar lieben, gutmütigen Riesenbabies einfach nur die Tränen in die Augen. Lucius freute sich von den Pfoten bis zum Schopf über die gelungene Abwechslung in seinem sonst sehr einsamen Leben. Wir gingen mit ihm spazieren und erfuhren während des Ganges einiges über die Hintergründe seiner Situation. Dazu sei nur so viel gesagt, er hatte kein schönes Leben, zumindest die letzten Jahre nicht. Der Rest ist schnell erzählt, Lucius trabte brav an der Leine, zeigte sich superverträglich mit allen vier mitgeführten Hunden und nun musste nur noch ein Zuhause her. Da mir das nicht schnell genug ging und ich ihn auch unbedingt ganz fix aus dieser Situation erlösen wollte, haben wir nicht nur nach einem Zuhause, sondern auch nach einer Pflegestelle gesucht.

Und facebook sei Dank, drei Tage nach unserem ersten Besuch bei Lucius konnte ich wieder nach Wannsee fahren. Dieses Mal mit einem tollen jungen Paar und ihrer lieben Boxerhündin im Schlepptau, die sich spontan bereit erklärt hatten, ihn übergangsweise bei sich aufzunehmen. Und da es ja keine Zufälle, sondern nur Schicksal gibt, meldete sich noch am selben Tag eine sehr hundeerfahrene Interessentin, die auch noch um die Ecke der Pflegeeltern wohnt. Ein Hausbesuch bei ihr wurde vereinbart, sie besuchte Lucius und auch sie verlor innerhalb von Sekunden ihr Herz an den großen Softie.

Seine unendliche Gutmütigkeit hat alle Beteiligten total berührt und wir wünschen ihm und seiner neuen Familie noch ein langes gemeinsames Leben.


Ziemlich zeitgleich suchte die Besitzerin von Luna auf Facebook ein neues Zuhause für die siebenjährige Mischlingshündin. Spontan schlug ich der Frau vor, den Hund über unseren Verein zu vermitteln. Denn das hat den unschlagbaren Vorteil, dass es seriöser wirkt. Mein Vorschlag erhielt zwar Gehör, aber sie hatte schon eine Interessentin, die ihr angeblich helfen wollte. Diese tauchte tags darauf bei Lunas Besitzerin auf und schlug vor, den Hund drei Mal in der Woche mit zum spazieren gehen nehmen zu können, denn das wäre doch schon mal eine tolle Entlastung. Um auszuprobieren, wie gut sie sich mit Luna verstünde, müsse sie einfach mal ne Runde mit ihr drehen. Lunas Frauchen war begeistert, denn als frisch gebackene Mutter mit einem weiteren, bereits elfjährigen leicht dementen Hund kam ihr jede Unterstützung wie ein Geschenk des Himmels vor und so gab sie Luna dieser fremden Frau voller Vertrauen mit. Diese verschwand jedoch mit ihr um die Ecke und ward seitdem nie wieder gesehen.

Ihre AbschiedsSMS enthielt die lapidaren Worte: ”Leb wohl!”

Wie es Lunas Frauchen in den nächsten Tagen erging, können wir uns alle sicher lebhaft vorstellen.

Doch dieser Diebstahl konnte nicht stillschweigend toleriert werden. Also wurden alle sozialen Netzwerke aktiviert, ebay durchforstet, es wurde geteilt und gepostet und wie durch ein Wunder tauchte Luna nach einer Woche plötzlich freilaufend, die Leine hinter sich herziehend im Märkischen Viertel wieder auf.

Die genauen Umstände ihrer Rückkehr könnte nur sie uns erzählen……. Ein paar Tage später telefonierten ihre Besitzerin und ich ein weiteres Mal und ich fuhr kurz darauf zu ihr, um mir den Hund näher anzuschauen. Luna ist eine sehr gut erzogene, fröhliche kleine JackRusselterriermischlingshündin, aufgeweckt und zu dem Zeitpunkt erwiesenermaßen unterfordert.

Die SALVA Hundehilfe hat eine tolle Familie für Luna gefunden, sie steht nun wieder viel im Fokus der Aufmerksamkeit, hat genug Möglichkeiten, sich auszutoben, darf mit zu den Pferden und freut sich über die Kinder und Katzen. So ein Happy End lässt unsere tierlieben Herzen höher schlagen und zeigt uns, das alles möglich sein kann, wenn wir nur uns dafür engagieren.

Anke Reitzenstein