Besuchsbericht von Connie Loncar, Tierheim La Linea Spanien – Januar 217

Eindrücke aus dem großen Shelter La Linea…
Im Januar stand endlich mein erster Besuch im Tierheim La Linea an. Meine Freude und Anspannung war groß. Mit dabei war Ann-Cathrine die schon etliche Male dort war.
Ich beginne einfach am 2. Tag, und verschweige hier unseren verpassten Anschlussflug in Madrid, und unseren stundenlangen Aufenthalt am Airport dort. Ich hätte nie gedacht das mir jemals so etwas passiert, da ich bei Flügen oder ähnlichem eigentlich mehr als zeitlich bestens aufgestellt bin. Nun ja, das war mal eine andere Erfahrung 😉

Unsere Tage starteten um 7:30 Uhr, und wir wurden von unserem spanischen Freund Paco abgeholt und zum Frühstück gebracht. Paco ist Polizist in La Linea. Unser Hotelpersonal am Empfang
wunderte sich vermutlich nicht schlecht, dass die deutschen Touri-Mädels jeden morgen vom Polizeiauto abgeholt wurden. Nach dem Frühstück ging es dann direkt ins Tierheim. Leider brachten wir eine furchtbare Kälte mit nach La Linea. Nur wenige Kilometer vom Tierheim entfernt lag auch Schnee, den es dort seit 30 Jahren nicht mehr gab.

Nach wenigen Minuten Autofahrt erreichten wir das Tierheim. Endlich sah ich live was ich schon so viele Male auf Fotos gesehen habe. Den Müllcontainer direkt vor der Tierheimeinfahrt, der bereits von vielen Menschen als Entsorgungsort für zahlreiche Kartons voll Hundewelpen, Hasen, oder jeglichen anderen Tieren genutzt wurde. Jeder der Tierheimmitarbeiter ist bereits sensibilisiert dort täglich mehrmals genau auf geschlossene Kartons zu achten. Auch wir spürten unsere Blicke auf den dort abgelieferten Müll schweifen.
Dann durch das große Tor reinwärts ins Tierheimgelände. Im Tierheim wurden bereits die Zwinger ausgespritzt und gesäubert. Und wir starteten unseren Rundgang durchs Tierheim. Unfassbar viele Zwinger mit meist minimum 4 oder 6 Hunden. Aufgrund der enormen Kälte und der Nässe in den Zwingern frierten etliche Hunde furchtbar, was den Anblick nicht leichter zu ertragen machte. Manche Hunde kamen gar nicht erst aus ihren Hütten heraus.

Etliche kleine Welpen, nass und durchgefroren wuselten tapfer durch den Zwinger und kamen erwartungsvoll an die

Pinky, dessen Diagnose noch völlig unklar ist

Gitter. Viele Tiere erkannte man sofort, etliche sitzen dort schon seit Jahren.
Auch unser behinderter kleiner Mann Pinky rutschte mit seinem Zottelfell unkoordiniert durch die Nässe….einzig schön, wir wußten bereits das Pinky beim nächsten Transport in 2 Wochen ein Ticket ergattert hat. Eine tolle Pflegestelle erwartete ihn, in der zuerst seine Behinderung, die Ursache und das Ausmaß abgeklärt werden mußten. Nur ein Beispiel, welche Schicksale die Salva Hundehilfe sofort unterstützt, ohne das finanzielle Ausmaß annähernd zu erahnen oder abschätzen zu können. Pinky ist einfach ein Notfall der dringend Hilfe braucht, und dessen Endstation in keinem Fall das Tierheim sein darf.

Traurige Schicksale auch die vielen vielen Bodegueros, kleine Jack-Russel ähnliche Jagdhunde in Spanien. Das Tierheim ist voll davon, und auf den ersten Blick kann man sie alle nicht auseinander halten. Leider überfliegt man sie regelrecht, obwohl jeder einzelne es so sehr wert wäre gesehen zu werden.
Auch etliche Podencos… sei es der kleine Maneto oder der größere Andaluz, oder auch Podenco-Mischlinge. Man spürt das hier die Tiere zu Jagdzwecken genutzt, und dementsprechend auch leichtfertig wieder entsorgt werden. Viele der Hunde hier wurden herrenlos gefunden, direkt im Tierheim abgegeben, über das Tor geworfen, am Tor angebunden, oder in der erwähnten Mülltonne entdeckt. Manche der Jagdhunde wurden von Menschen gerettet die davon erfuhren das die Hunde vom Besitzer nach der Saison oder aufgrund der Nichteignung getötet werden. So kommen sie alle auf verschiedenste Weise hierher…. unfassbar viele, unvorstellbar für deutsche Verhältnisse.

Während unserem ersten Besuchstag kamen 8 (!) neue Hunde ins Tierheim. 5 Podencowelpen zusammen mit einem 6. Mischlingswelpen, ein Podenco-Mix der von Paco auf der Straße gefunden wurde, und ein Mastin den Peter und Ana gemeldet bekamen, er irrte schon einige Tage in einem Ort umher mit einem Stück Kette um den Hals.

Es gab hier schon Tage, da kamen über 18 neue Hunde ins Tierheim. Man muß sich diese Menge vorstellen….. Eins ist klar, würden keine Vereine das Tierheim unterstützen und Tiere in andere Länder vermitteln, dann wäre dem tollen Team hier in kürzester Zeit die Hände gebunden, und keine Hilfe mehr möglich. Innerhalb weniger Wochen wäre das Tierheim an seinem absoluten Limit angekommen und die Zwinger hoffnungslos überfüllt.
Dem Tierheim La Linea helfen in erster Linie der große holländische Verein Animal in Need und wir, die Salva Hundehilfe. Nur mit Ausreisen von Tieren wird Platz und Möglichkeit für die anderen Notfelle geschaffen. Und leider scheint das Umdenken vieler Spanier noch in weiter Ferne.
Unser Rundgang geht weiter durch die etlichen Gänge, vorbei an tollen, aufgedrehten Hunden die nach Aufmerksamkeit wimmern, vorbei an ängstlichen Hunden die uns nur argwöhnisch aus der Hütte heraus beäugen und nicht gesehen werden wollen, und auch vorbei an ganz wenigen Hunden die uns auch mal ihre Beisserchen zeigten. In manchen Zwingern herrscht großer Stress und Lärm, jeder möchte Aufmerksamkeiten erhaschen und ganz vorne sein. Manche verhalten sich ruhig im Hintergrund, und man sieht ihnen so sehr an, wie gerne sie eigentlich Zuwendung suchen würden…
Wir waren in dem kleinen Katzenhaus, bei den Ponys, Eseln, Ziegen, Möwen und Schweinen. Auch 2 Ratten, 1 Kampfhahn, 1 Wildschwein und 3 Hasen leben dort.
Wir gingen durch die Quarantäne, in der sich viele sehr junge Welpen befanden. Oft ist deren Schicksal leider noch ungewiss, viele zu junge, zu schwache Welpen sterben noch bevor sie geimpft werden können. Sie werden oft zu früh ausgesetzt und weggeworfen, gäbe man ihnen nur 1-2 Wochen mehr mit dem Muttertier, dann müßte das Tierheimteam nicht diese endlosen Kämpfe ums Überleben mit den Kleinsten führen.

Mogli, einfach nur entzückend!!!

Wir waren in der Klinik, in der noch frisch kastrierte oder verletzte Tiere waren. Dort lernten wir auch den entzückenden Mogli kennen, ein Hund der erst dann auffällt wenn er wie hier separat in einer Gitterbox sitzt und seinen Charme spielen lassen kann. Mogli hat eine harte Zeit hinter sich. Er wurde von anderen Hunden gebissen und lag schwer verletzt im Zwinger. Man mußte regelrecht all seine Organe wieder in den Hund hinein operieren und sein Überleben war mehr als ungewiss. Mogli hat es aber geschafft. Und er hat uns völlig um den Finger gewickelt, wir holten ihn zum Fotoshooting nach draußen, und klar war, er muß online und ein schönes sicheres Zuhause finden.

So fallen die Entscheidungen dort. Es ist so unheimlich schwierig alle Hunde zu sichten, kennenlernen und einzuschätzen. Da sind wir immer wieder froh über das tolle Team dort in La Linea!
Peter den Tierheimleiter. Ana die rechte Hand von Peter. Lidia, unsere gute Seele, zusammen mit ihrer Mutter Maria, die für uns alle Infos, Fotos und Katzentests durchführt die wir für unsere Vermittlungen benötigen.
Belen die die Kleinsten zu sich privat in Pflege nimmt und liebevoll betreut, und alle verwaltungstechnischen Aufgaben der ausreisenden Hunde durchführt, Traces, etc..
Tierarzt Pablo und seine Assistentin Silvia, die schon allein durch die ausreisenden Hunde unfassbar viel Arbeit haben.
Paco von der Guardia Civil, der etlichen Tieren von der Straße hilft und sie ins sichere Shelter holt.
Dann hatten wir von Ana noch einen kleinen Job bekommen. Sie drückte uns Pink in die Hand. Ein nettes Hundemädchen, das 3-4 Wochen zuvor auf der Straße gefunden wurde. Vermutlich ein Kinderstreich, die Hündin hatte pink gefärbte Pfoten. Pink durfte am nächsten Tag nach Holland in ein neues Leben fliegen… aber schon beim Anfassen war klar…. so kann dieser Hund nicht reisen. Pink hatte Filzplatten im Fell, so etwas hatte ich noch nicht gesehen, geschweige denn angefasst.
Unvorstellbar! Die Beinchen waren doppelt so dick weil sie rundherum zugefilzt waren. Es war ein einziges dickes Haarwulst das der Hund an jeder Stelle seines Körpers trug, was ihr sicher auch unheimliche Schmerzen und permanentes Ziepen bereitete. Beim ersten Ansetzen der Schermaschine versagte diese bereits am ersten Haarwulst. Hier half nur die gute Schere… zwei Stunden kämpften wir uns mit 2 Scheren Millimeter für Millimeter durch die Platten, und waren oftmals froh, das wir Pink nicht einmal geschnitten hatten. Danach entstand ein neuer glücklicher – nur noch halb so großer – Hund. Wir waren doch ein wenig stolz! Aber das sind wieder diese Arbeiten die das Team hier zeitlich überhaupt nicht stemmen kann.

Nun, unser Tag war ja zeitlich voll durchgeplant. Nun stand ein Nachmittags-Snack bei Belen Zuhause an. Belen hat – wie oben erwähnt – immer viele kleine Hunde oder Welpen bei sich. Tiere die es im Tierheim in den großen Zwingern sehr schwer hätten. Wir redeten viel mit Belen über die Tiere, über vieles was passiert ist, was wir tun können, usw.. Wir erfuhren dann auch das in der nahen Pension noch Vermittlungshunde sitzen und sitzen und sitzen…. Nun wir wollten sie kennenlernen.
Gesagt getan, ein Anruf genügte und wir lernten eine – für spanische Verhältnisse – gute Pension kennen, und wieder einige entzückende Hundenasen mehr die ein Zuhause suchen.
Es war zwischenzeitlich schon dämmerig und wir wollten schnell Fotos von allen machen, alle sollten die Chance auf ein Zuhause bekommen. Denn diese Hunde sind privat von der Pensionsinhaberin aufgenommen. Sie erscheinen auf keinerlei Seiten, um deren Vermittlung kümmert sich sonst niemand.
Zwischenzeitlich waren wir auch schrecklich durchgefroren und freuten uns auf eine warme Dusche im Hotel. Auch unsere Klimaanlage hatten wir endlich im Griff.

Kurz darauf gingen wir auch schon mit dem gesamten Tierheim-Team Abendessen. Und wir hatten noch eine große Überraschung für alle….. Fotobücher mit den glücklichen Hunden die 2016 von der Salva Hundehilfe vermittelt wurden.
 

Später fielen wir müde in unser Hotelbett.
Auch der nächste Tag begann mit Frühstück um 7:30 Uhr. Dann wieder in die duftenden Klamotten vom Vortag, und ab ins Tierheim. Wir nahmen noch einige Hunde auf, besuchten noch viele in ihren Zwingern, und die Zeit flog uns davon. Eigentlich wollte man vielen einzelnen Hunden noch mehr Zeit widmen und sie kennenlernen.
Mittags stand uns noch ein wichtiger und auch schwerer Besuch bevor.

Wir bekamen Tage zuvor in Deutschland Hodor, einen alten schwarzen Mischling aus der Tötung Los Barrios gemeldet. Das Tierheim Los Barrios, welches oft Hunde aus der direkt nebenan liegenden Tötung holte, war völlig überbelegt, und Hodor hatte sonst keine Chance mehr. Ein unheimlich freundlicher, aber eben schwarzer Hund, alt und ergraut, 10 Jahre … Das Salva-Team beschloss Hodor zu helfen, und heute war der Tag das wir ihn aus der Tötung holen durften. Belen fuhr mit uns dorthin. Unser Gefühl war mulmig, man hatte Gänsehaut…. und da sahen wir unseren Bub schon … Hodor war schon aus den Tötungszwingern draußen und wartete auf uns.
Es war ein schönes Gefühl dieser alten Seele helfen zu können!

Dann gingen wir noch die Tötungszwinger entlang…. Ein trauriger Anblick. Die Zwinger waren voll mit kupierten, kräftigen Pit Bulls, freundlich wedelten sie uns aus ihren Gefängnissen an. Ihnen allen konnten wir nicht helfen!!! Auch die spanischen Tierheime sind voll mit diesen Rassen, und eine Ausreise nach Deutschland nicht möglich, und in viele andere Länder schwer. Diese vielen tollen Hunde die wir gesehen haben werden hier vermutlich sterben müssen sobald die Kapazität der Anlage erreicht ist…
Lediglich in 2 Zwingern waren noch von Krankheit gezeichnete Tiere, und dazwischen auch eine junge braune Jagdhündin die unheimlich auf sich aufmerksam machte. Ein kurzes Telefonat mit La Linea und wir durften sie aus dem Zwinger holen und mitnehmen. Wir nannten die tolle Hündin kurzerhand Belen, und sie war für uns ein wenig der Trost, diesen Ort wieder zu verlassen.

Wir brachten die beiden Glücklichen dann ins Tierheim La Linea, hier werden sie nun ausreisefertig gemacht.

Danach kurz ins Hotel, duschen, raus aus den Tierheimklamotten. Wir waren bei Paco und seinen Eltern zum Essen eingeladen. Dort lernten wir die unfassbar liebe, – nein regelrecht süße – spanische Gastfreundschaft seiner Eltern kennen. Wir wurden empfangen und gebusserlt, es war einfach nur herzlich und toll. Und dann gab es diese leckere spanische Paella! Das alles holte uns wieder ein wenig aus den Tierheimgedanken! Wir waren lange beisammen, und abends ging es dann auf die Piste mit Lidia, Belen und ihrem Bruder Antonio.

Das war unsere kurze, eisig kalte und intensive Zeit in La Linea im Januar.  Mein Fazit dieses Besuchs ….
Dieses Tierheim ist einfach toll, hier wird das für die Tiere getan was bei der enormen Menge und Belastung möglich ist, und auch mehr. Das Team ist super und funktioniert miteinander unheimlich gut, jeder hat seine Aufgaben und jeder dort liebt einfach die Tiere.
Peter erreicht durch seine viele Arbeit auf Facebook etc. wahrscheinlich tausende von Menschen, und das Tierheim wird bekannt. Sei es in anderen Ländern oder auch nur in Spanien. Viele Spanier kommen ins Tierheim, bringen Spenden, oder einen gefundenen Hund.
Auch bringen viele ihre Tiere dorthin und töten sie nicht mehr. Das Umdenken wird noch lange lange Zeit in Anspruch nehmen, aber La Linea erreicht viel dort und ist ganz sicher auf dem richtigen Weg.
Was jedoch feststeht ist:
Ohne Vermittlungen ins Ausland, wären diesem Tierheim innerhalb kürzester Zeit die Hände gebunden. Das Tierheim wäre in wenigen Wochen gnadenlos überfüllt und könnte keine Tiere mehr aufnehmen. Tiere müssten abgelehnt werden, landen dann auf der Straße, oder in einer Tötung, oder man entledigt sich anderweitig. Die Hilfe aus anderen Ländern ist weiterhin ein absolutes Muss! Wer dem Auslandstierschutz kritisch gegenüber steht, sollte sich die Mühe machen, verschiedene Tierheime im Ausland auch selbst zu besuchen!
Kein Tier soll etliche Jahre in einem Tierheim sitzen, allerdings haben es die Tiere in einem ausländischen Tierheim weitaus schwerer. Keine Spaziergänge, unheimlicher Stressfaktor, tagtäglich, und enormer Lärm, Betonmauern und Gitter.
Viele die Hunde von uns aufgenommen haben, erzählen von diesem tiefen Seufzer, wenn der Hund hier nach seiner Ankunft in Deutschland zur Ruhe kommt, sein weiches Körbchen entdeckt und in den Schlaf gekrault wird. In diesem Moment fällt von diesen Hunden ein ganz schwer gepackter Koffer ab…. ein wunderschöner Moment!
…so werden wir weitermachen für viele Hunde die wir dort gesehen haben, und denen wir leise ein Versprechen gaben!

Liebe Grüße, Connie Loncar

Update 15.02.17:
Unsere Jagdhündin Belen lebt zwischenzeitlich in Deutschland und hat ein Zuhause gefunden!
Hodor ist ebenfalls nach Deutschland gekommen, sucht aber noch sein großes Glück!

Das Profil von Hodor auf der Salva Hundehilfe -Homepage

Pinky wuselte schon nach wenigen Tagen in Deutschland auf seinen 4 Beinchen, wackelig, aber sichtbar glücklich! Er hat wahrlich eine kleine Verwandlung hinter sich…
Mogli kommt in wenigen Tagen nach Deutschland auf eine Pflegestelle und macht sich dann auf die Suche nach seinen Menschen!

Weitere Impressionen …