Happy End-Geschichte von EDDIE (BARON)

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…und dann kam Eddie.
Happy_End_Eddie_14Eddie hieß mal Baron und kommt aus dem südlichsten Spanien. Er ist schwarz wie eine sternenlose Nacht auf dem platten Land und mit einer schneeweißen Verfleckung an der Brust. Seine Augen sind so lieb, dass jedem der ihn zum ersten Mal sieht ein „ochjöhhh“ entgleitet und erwachsene Menschen tatsächlich anfangen den Kopf schief zu legen, wenn sie ihn streicheln. So wie Hunde, die ein Leckerli erbetteln. Wenn man mit ihm ausgeht, hat er sein Wasser in der Regel bevor ich meinen Wein habe und dass er notorisch im Weg liegt, weil er nix verpassen will, scheint nie aber wirklich nie ein Problem zu sein. Das auch noch Tollste ist, dass er die perfekte Größe hat: kniehoch, wie man so schön sagt. Ein Tier mit Schmackes und sensiblem Seelchen.

Happy_End_Eddie_15Das Eddie jetzt Eddie heißt, ist seinem Pflegestelle-Paten Sebastian (nachfolgend PSPS genannt) zu verdanken. Zu recht. Eddie passt viel besser. Zudem, und auch das stimmt: „wer will schon Barrrron! Barrrrrrrron! rufen“, hat PSPS gesagt, dass „klingt doch nur mit spanischem Lokalkolorit“. Klaro, find ich auch. Zudem wäre das schräg, denn wer spaniert schon beim Gassi gehen?! Vor allem inmitten einer Stadt, die von spanischen Touristen nur so wimmelt. Nada de eso! Selbst ich, mit Hang zur Performance käme mir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tatsächlich affig vor mit spanischem Slang nach einem Hund zu rufen.

Happy_End_Eddie_4Jedenfalls lernte ich dieses schöne schwarzfellige Tier mit den bernsteinfarbenen Augen kennen, als mich der Juli für ein weiteres Battle in diesem sternentechnisch äußerst fragwürdigen wie schwierigen Jahr mit Mr. Universe in den Ring schickte. Trost und Rat suchend, besuchte ich in höchst geschreddertem Zustand Eddies PSPS. Der Plan war fluchende Wuttränen zu verspritzen und Beruhigung zu erfahren. Doch es kam anders. Denn als ich ankam, da saß er da, der Eddie, kerzengerade und irgendwie stolz auf seiner Hundedecke und dabei trotzdem verschreckt wie ein kleines Reh. Und von meiner Wut war nur noch ein Bruchteil vorhanden und das Heulen vertagte ich auf ein paar Tage später. Denn jetzt war da Eddie und ich hin und weg!

Happy_End_Eddie_2Eddie fand ich supertoll. Trotz seiner schönen Seelentierigkeit die er einem entgegenstrahlte, wirkte er auch ein bisschen arg durch den Wind. Und ich dachte: fein, dass passt, der ist wie ich! Ein Seelenwesen mit Schredderherzchenpotential! Vielleicht waren wir uns deshalb gleich wahnsinnig doll sympathisch. PSPS untermauerte mental-emotionale Ähnlichkeiten mit phänotypischen Merkmalen – „guck, dunkles Fell bzw. dunkle Haare dazu helle Augen….lange Beine…der Blick auch, son bisschen verschreckt aber lieb…“. Toll! Ich fing an zu grübeln. Und eigentlich war es gleich ziemlich klar. Aber logisch, ich hatte etwas Muffensausen vor meiner eigenen Courage. Aber wer weiß, vielleicht ist das der Schlüssel…. Und so bewarb ich mich als Adoptant.

Happy_End_Eddie_9Eddie machte es mir ziemlich leicht wenn ich ihn bei PSPS besuchte, obwohl er noch ganz schön verängstigt war. Erst die lange Reise, dann die
komplett neue Umgebung und all die Millionen mannigfaltig auf ihn einströmenden neuen Gerüche, Geräusche und Vibes. Und all die vielen Menschen, Fahrräder, Autos, die Straßenbahn, der Lastwagenverkehr, das Gehupe, das Geratter, Geschrei, Gelache und Gezeter…. Und vor allem die völlig neue Tatsache, dass da Jemand ist, nämlich PSPS, der ihm seine ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuneigung schenkt. Man kann sagen, Eddie war sensorisch wie emotional erstmal schlicht überfordert! Und so hatte PSPS einiges zu tun, um Eddie behutsam auf unsere Welt vorzubereiten, ihn daran zu gewöhnen wie die Tage ablaufen, die nicht in einem Tierheim stattfinden und ihm zu zeigen, dass er ganz arg toll ist so wie er ist. Denn auch das kannte der große schwarze Hund aus Spanien nicht, dass man ihn schlicht lieb haben kann.

Happy_End_Eddie_3Als ich Eddie nach der Woche, die er bei PSPS gelebt hat übernommen habe, war von dem verschreckten lethargischen Hund nicht mehr viel übrig. Er war viel aufgeweckter und bewusster als bei unserem ersten Treffen kurz nach seiner Ankunft in Berlin. Sein Fell glänzte und sein Gang war lebendiger und interessierter als zuvor. Klar, der sogenannte Info-Overload hielt noch immer an, denn schließlich ist dass ja alles ein Prozess. Auch durch die neue Situation mit einem neuen Bezugsmenschen und einem neuen Zuhause. Und das äußerte sich entsprechend mit vielen Schlafphasen und Laufverweigerungen beim Spazierengehen. Insbesondere stark befahrene Straßen wollte er auf einmal nicht mehr überqueren oder blieb einfach stehen, wenn zu viele Menschen auf ihn zuströmten. Zudem war der Wechsel von PSPS zu mir für Eddie nicht leicht. Die waren halt ein dickes Team. Zwei Kerle, ein Flow. Entsprechend hat es ein paar Tage gedauert bis er zu Winseln aufgehört hat und nicht immer wieder durch die Wohnung gestreunert ist um nach seinem ersten Menschenfreund zu suchen. Mit der Zeit hat sich das gelegt und er ist von Tag zu Tag frecher geworden, hat den Beschützerinstinkt aktiviert (endlich!! Gaaaanz ganz toll!) und fing an zu bellen wenn mir Jemand zu nahe bzw. zu schnell auf mich zu kam den er „nicht riechen konnte“. Mittlerweile kann man herrlich mit ihm balgen und Kräftemessen spielen. Und wenn es ihm mal zu wenig Aufmerksamkeit ist, kommt er vorbei und legt den Kopf aufs Knie und „macht süß“ damit man ihn streichelt oder er stubst einen mit der Pfote an, wenn er spielen will. Herrlichen Spaß hat er an der Schleppleine (10 m Länge). Da er noch nicht frei laufen darf, fetzt er auf diese Weise wie wild um mich herum und pflügt sich durch sämtliche Wiesen und Felder. Es ist sehr schön, ihn so aufblühen zu sehen!

Happy_End_Eddie_10Nach der ersten Party, die er cool und divers verschmust mit Bravour gemeistert hat, inklusive Hühnerschenkelklau vom Buffet mit anschließender Abgabe ohne Murren, waren wir letzte Woche mit einer Geburtstagsgesellschaft auf einem Floß. Das ging ziemlich gut trotz Gewitter und ausgelassener Stimmung. Um ehrlich zu sein, ich glaub er fand das richtig knorke! So sehr, dass wir am nächsten Tag noch ne Tour nachgelegt haben. Auch als Entspannungsmaßnahme quasi nachdem wir die Nacht zuvor im Dunkeln einer Horde Wildschweine begegnet sind. Auch da: Chapeau Claque in punkto Coolness an Mr. Eddie! Er stellte sich regungslos mit aufgestelltem Fell der Situation und ich bin vor Angst nahezu kollabiert. Ich erwähne nur der Vollständigkeit halber, dass sein Nervenkostüm dann doch noch recht pubertär ist und die Angst vorm freilaufenden Wild Stunden später mit einer saftigen Diarrhoe belegt wurde. Nun denn, wir haben es gemeistert und auch sonst scheint es, dass wir uns super gut tun!

Happy_End_Eddie_13Übrigens: Er liebt es Leute zu beobachten. Es ist sein größter Spaß und am liebsten in der front row einer Kneipe oder eines Cafes! Besondere Gaudi bereitet ihm, wenn ein flatteriges Sommerkleidchen vorbeigeht. Dann bringt es Eddie fertig und setzt sich fix auf, streckt sich so lang und so groß er kann und hebt dabei dezent mit der Schnauze den am Tisch vorbeischlendernden Rocksaum. Jaaa…, findet er mächtig super! Und weil er so drollig dabei guckt, finden es alle „voll süß“, allen voran die zumeist am Hintern entblößte Dame – da hilft mein Maßregeln eher wenig, wenn alle vor Verzückung quietschen. Das Eddie eine Wucht von lieber Seele ist und zugleich eine ordentliche Portion Schalk im Nacken versteckt hält, war gleich zu Anfang spürbar und bewahrheitet sich glücklicherweise täglich! Er ist toll! Ein liebes Tier und ein Segen. Wie gut also, dass ich in einer extrem schrägen wie ungewissen Situation diese „Lebensentscheidung“ so spontan aber mit ganzem Herzen getroffen habe! Ich fürchtete erst, es war zu schnell. Und vielleicht war es das auch. Aber ich bin sehr froh, dass er bei mir ist und darüber, dass er mich mittlerweile angenommen hat. Es rührt mich geradezu, dass er sich in meinem Leben und mit mir augenscheinlich wohl fühlt…. Und ich bin PSPS sehr dankbar dafür, das er mir dieses schöne Tier vorgestellt und vermittelt hat!