Happy End-Geschichte von Hugo

Wir hatten bereits eine 1,5 Jahre alte Französische Bulldogge. Er zog als Welpe bei uns ein und es war ein tolles Gefühl ein unbeschriebenes Blatt zu füllen. Aber auch enorm anstrengend. Schnell war klar, dass dieses kleine Powerbündel einen Kumpel bekommen soll, wenn er aus dem Welpenalter raus ist. Und sicher war, dass wir einen erwachsenen Hund dazu holen wollten, einen Bully ohne Zuhause.

So fing ich an Facebook-Seiten zu verfolgen. Mein Plan war es Mitte 2017 einen Hund aufzunehmen. Aber es kommt ja häufig anders, als man denkt. Gegen Ende des Jahres 2016 sah ich plötzlich eine schneeweiße Bulldogge mit traurigem Blick auf der Seite der Salva Hundehilfe. Immer wieder schaute ich die zwei Fotos von ihm an und las die Beschreibung. Er war geschätzte 2,5 Jahre alt und würde somit vom Alter super zu unserem Ersthund passen. Dann zeigte ich meinem Freund die Bilder und fragte, ob ich es einfach mal versuchen soll. Es war nicht der idealste Zeitpunkt so knapp vor Weihnachten, wenn eigentlich alle Festtagspläne schon stehen. Aber für was gibt es in der Welt no
ch den perfekten Moment? Ich glaube an das Schicksal und wenn es so seien sollte, dass dieser Schatz bei uns einzieht, dann würden wir eine Zusage bekommen.

Und es kam, wie es kommen sollte. Alles ging plötzlich so schnell. Der Anruf, dass wir ausgewählt wurden, einige Gespräche, Pläne, die geschmiedet wurden, Einkäufe die gemacht werden mussten. Es folgten viele unruhige Nächte: Tierheimhunde haben doch oft große Probleme, oder? Warum wurde er wohl abgegeben? Klappt das mit unserem Ersthund? Schaffen wir das mit zwei Hunden? Wie reagiert die Familie auf den Zuwachs? Was brauche ich eigentlich noch alles?

Hugo sollte eigentlich am 23.12. in eine Pflegefamilie nach Hamburg ziehen, welche hunderte Kilometer von uns entfernt gewesen wäre. Also wurde schnell umgeplant und wir holten ihn auf der Durchreise in Frankfurt am Main ab. Ich weiß noch wie erstaunt ich von dem sauberen und recht neuen Transporter war. Und dann wurde mir ein weißer Hund gereicht. Nun gehörte er zu mir. Das wussten wir beide sofort. Er schaute vom ersten Moment an in meine Augen. Ich begrüßte ihn und bekam sofort einen Schmatzer. Im Auto kam er ständig zu mir, um gestreichelt zu werden. Als wir endlich daheim waren, holte ich unseren Ersthund raus und ich fuhr mit beiden auf eine große Wiese. Mein Puls stieg ins Unermessliche. Nun würde sich zeigen, ob die Idee gut war.

Nach 5 Sekunden fiel alles von mir. Hugo rannte sofort an einer 10m- Leine mit unserem Junghund um die Wette. Das Eis war gebrochen. An den folgenden Weihnachtstagen stellten wir allen unseren Zuwachs vor. Er schaffte es jeden innerhalb von Sekunden um den Finger zu wickeln. Sogar meinen 1,5 Jahre alten Neffen schloss er nach vorsichtigem Kennenlernen gleich ins Herz. Unsere zwei Bullys spielten täglich miteinander, allerdings kam es auch mehrmals am Tag zu Rangordnungs-Kämpfen. Das Ganze ging zwei Wochen, ein hin und her zwischen Kämpfen und Spielen. Allerdings waren die Kämpfe nie so schlimm, dass einer blutete, sodass wir uns entschlossen hart zu bleiben. Kämpfe wurden sofort unterbunden und stattdessen mit beiden gemeinsam trainiert. Und dann kam ein „Klickmoment“. Plötzlich vertrugen sie sich super und das hält bis heute an. Wenn es einem der zwei zu viel wird, reicht ein leichtes Knurren und der andere versteht. Man merkt, wie sie immer inniger werden, manchmal kuscheln sie bereits zusammen. Sie haben sich gegenseitig viel beigebracht. Unser Ersthund ging nie auf den Balkon. Für Hugo war das nie ein Problem und plötzlich liegen sie beide dort und sonnen sich. Hugo schien anfangs keine Ahnung zu haben, wie man mit Menschen vor dem TV kuschelt und hat seinen Kumpel oft beobachtet. Inzwischen macht er es genauso. Sie fressen nebeneinander und statt sich vorzudrängeln, wartet er nun lieb, bis er auch ein Leckerli bekommt. Jeden Morgen und jeden Abend holt er sich seine ausgiebige Streicheleinheit ab. Tagsüber wird entweder mit seinem Kumpel und anderen Hunden draußen gespielt, trainiert oder geschlafen. Es war die beste Entscheidung unseres Lebens. Unser Ersthund scheint endlich ausgelastet zu sein, sie sind nie ganz alleine, weil sie sich haben und wir konnten einem Engel ohne Heim ein Zuhause geben. Ein endgültiges Zuhause, wo er ganz und gar ein geliebter und liebender Hund sein darf. Das wissen wir und das weiß er. Er zeigt uns jeden Tag, dass er nicht mehr weg möchte.

Bereits nach 4 Wochen konnten wir ihn ableinen und er läuft nie davon. Und es ist auffällig, dass er sich sehr anstrengt neue Sachen zu lernen und schnell umzusetzen. Wer schon mal eine Bulldogge erzogen hat, weiß dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Die ersten 2-3 Wochen waren sicher nicht einfach und die zwei haben uns fast in den Wahnsinn getrieben. Aber wir haben eben auch gesehen, dass da Potenzial ist du nach dem Motto gehandelt: Er hat keine andere Wahl, als hier zu bleiben. Er soll kein Wanderpokal werden. Und wie man sieht, hat es sich gelohnt. Zu meinen Fragen die ich vor seinem Einzug hatte: Hugo hat zwar kleine Baustellen, aber nichts, was man nicht mit ein wenig Training hinbekommt oder bereits ausgebügelt wurde. Da ist die Erziehung eines Welpen wirklich schwieriger. Mit zwei Hunden ist es keineswegs anstrengender, als mit Einem. Im Gegenteil, sie sind Rudeltiere und man merkt, dass es ihnen gut tut zusammen zu leben. Das Feedback meiner Umgebung ist sehr positiv und ich kann vielen ihre Vorurteile gegenüber Tierheim- Hunden nehmen. Wie er vorher gelebt hat wissen wir nach wie vor nicht. Manchmal stellen wir uns diese Frage noch, aber was soll die Antwort bringen? Es ist egal was war. Wichtig ist das jetzt. Und er ist glücklich. Das alleine zählt.