Happy End Story Loki / Manolito
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Happy End Story Loki (ehem. Manolito)

Loki ist die Erfüllung meines Jugendtraumes.

Mangels Familienhund war ich als Teenager jahrelang Gassigänger.

Später am Studienort führte ich die die Hunde des örtlichen Tierheimes aus. Dass sich ein Hund mit einem Vollzeitjob ohne Mitnahmemöglichkeit nicht vereinbaren lässt, war mir zwischenzeitlich längst klar geworden. Ich hielt andere Tiere, der Wunsch nach einem Hund blieb. Dann kam Corona, plötzlich gab’s Homeoffice und ich konnte meine Arbeitszeit reduzieren. Mein Jugendtraum – längst notgedrungen auf die Rente verschoben – wurde plötzlich realistisch.

Eigentlich liebe ich große Hunde, aber im 3. Stock ohne Aufzug ist das keine Option. Der Hund sollte im wahrsten Wortsinn tragbar sein. Ich wollte Nicht-Autofahrer bleiben. Der Hund sollte also klein und kompakt genug für einen Fahrradkorb, eventuell sogar für eine Tragetasche zwecks kostenfreiem ÖPNV sein. Ich tendierte vom Typ Richtung Zwergpinscher, „Riesenchihuahua“o.ä. Jedenfalls ein Hund mit Charakter, kein treudoofer Befehlsempfänger der nur hinterherdackelt und aufs nächste Kommando wartet. In meinem Kopf war immer ein schwarzer Rüde mit spitzen Ohren.

Eigentlich wollte ich alles ganz ruhig angehen. Nach über 20 Jahren Warten hat man keine Eile mehr. Also nach dem Tod meines letzten Hamsters erstmal in Ruhe das Zimmer renovieren und das 30 Jahre alte Hundewissen aktualisieren.

Meine Idee war erstmal ca. ¼ Jahr in Deutschland im Tierheim oder auf Pflegestellen zu suchen und nur wenn ich dort gar nix passendes finde direkt im Ausland. Ich wollte meinen Hund vorab kennenlernen um festzustellen ob „die Chemie stimmt“ und ganz rational ob der Hund mit seinen Eigenschaften in mein Leben passt und ob ich mir diesen Hund zutraue.

Bodeguero Loki / Manolito, 03/2023, ca. 40 cmDann erfuhr ich über Verwandte von einer Pflegestelle, die auch nochmals für mich tätig werden würde. Gleich bei mir um die Ecke. Ich rief an und vereinbarte ein Treffen zum gemeinsamen Gassigehen mit ihren eigenen beiden Bodeguero-Mixen. Von der Rasse hatte ich noch nie gehört. Zusätzlich natürlich fleißig gegoogelt. Ergebnis von allem: Rein optisch war der Bodeguero eigentlich gar nicht so mein Typ.

Überwiegend weiss, typischer Terrier-Kopf, eigentlich sah ich mich nie als Terrier-Mensch. Aber das Naturell: drinnen ruhig, kuschelig, entspannt. Draußen aktiv und unternehmungslustig. Ein Hund, mit dem was unternehmen kann, aber kein Workaholic und nicht überdreht. Meist sozialverträglicher als der typische Terrier, kein Kläffer. Also genau das, was in mein Leben passt. Heidi und Tobi machten dann auch kräftig Werbung für ihre Rasse.

Und plötzlich ging alles ganz schnell. An einem Mittwochmorgen im Februar 2025 kam die WhatsApp rein: Manolito hatte ein Ticket für den Samstag und war abgesagt worden.

Ein Video von einem Hund, der einem hingeworfenen Leckerlie nur hinterhersieht. Ein Screenshot in dem er traurig in die Kamera blickt. Ein Foto von oben im Stand: ein weißer Hund mit schwarzem Kopf und locker hängender Rute. Nichts Auffälliges. Man sieht ihn auf der Straße und vergisst ihn wieder.

Eine Beschreibung mit den wenigen bekannten Infos: erst seit kurzer Zeit ihm Tierheim, dort ängstlich und überfordert. Ein Hund im Schneckenhaus. Knapp 2 Jahre alt, 40 cm Schulterhöhe. Eigentlich etwas zu jung für mich und größenmäßig meine absolute Obergrenze. In der Mittagspause schaufelte ich mit der rechten Hand Spaghetti in mich rein und bearbeitete mit der linken den Laptop. Dann noch ein Exklusivfoto auf dem Arm eines Menschen, also kein völliger Angsthund. Warum ich letztendlich tatsächlich „Challenge accepted“ sagte, kann ich bis heute nicht mit Sicherheit sagen. Ich glaube es waren seine Augen. Diese sanften, traurigen Augen.

Also ging’s am Samstag mit der Pflegestelle zum Trapo, im hastig geliehenen Auto, um einen Hund abzuholen von dem mir 4 Tage vorher nicht mal bewusst war, dass es ihn gibt. Am Rücksitz eine Box, um den erwarteten ängstlich – panischen Hund zu verladen. Ich selbst war nach 3 Tage Rödeln völlig durch (Einkaufen, Versicherung klären, Auto abholen…). Dass ich vor lauter Nervosität erst die falsche Fahrtrichtung ansagte, wir dann später zwar am richtigen Parkplatz aber auf der falschen Autobahnseite standen und uns wunderten dass niemand auf einen Hund wartete, trug auch nicht eben zur Nervenberuhigung bei.

Dem Trapo entstieg dann statt des erwarteten Nervenbündels ein ganz normaler, ruhiger Hund, der die Heimfahrt neben mir zusammengerollt auf dem Rücksitz verschlief. Ohne Box. Da die Pflegefamilie am gleichen Abend schon lange gekaufte Tickets hatte war ich am gleichen Abend noch Sitter für alle 3 Hunde. Meiner schlief auf dem Sofa guggte ab und an vorsichtig zur mir rüber im Sessel daneben. In dem saß ich drin wie ein Schluck Wasser in der Kurve und war zu nix mehr zu gebrauchen.

Happy End Story Loki / ManolitoEs folgten 2 hektische Wochen. Manolito-Loki war auf der Pflegestelle, ich besuchte ihn mehrfach und hatte ihn über’s Wochenende. Und renovierte im High-Speed das Zimmer, besorgte und klärte die letzten Sachen etc. Dann der große Tag: mein eigener Hund zog ein. Über 4 Wochen Urlaub und Zeit zum Eingewöhnen und Kennenlernen. Wir saßen gemeinsam auf dem Sofa – und ich fühlte nichts.

Die folgenden Wochen und Monate waren nicht schön und das ist noch milde formuliert. Ich stand vor meinem zertrümmerten Alltag, fühlte mich schrecklich ohne zu Verstehen was eigentlich los ist und was ich jetzt anfangen soll. Obwohl ich genau das hatte was ich mir jahrelang sehnlich gewünscht hatte. Ich rate allen Hundeanfängern ganz dringend vorab nach„Welpen-Blues“ zu googeln. Ich hatte mit allen möglichen Problemen seitens des Hundes gerechnet, aber ich hätte niemals mit mir selbst gerechnet. Kurz gesagt war ich psychisch völlig am Ende.

Dabei war/ist Loki eigentlich ein 6-er im Lotto. Er kannte das Leben in der Wohnung, Gassi gehen mit Halsband und Leine, Strassenverkehr, war/ist motiviert und lernbereit. Stubenreinheit war wochenlang ein Thema: Loki machte bevorzugt wenn keiner hinsah. Also nicht draußen mit mir am anderen Ende von Sicherheitsgeschirr und Doppelleine, am besten noch bei Minusgraden am morgen. Sondern drinnen wenn ich ganz sicher nicht da war, weil z.B. selbst auf Toilette. Aber das ging vorbei. Seine einzige echte Baustelle ist nach wie vor das Nicht-Alleine-Bleiben können. Als berufstätiger Single, der 3x/Woche ein paar Stunden ins Büro muss ein enormes Problem, das mich auch jetzt noch immer wieder psychisch an die Grenze bringt.

Gäbe es einen Knopf, mit dem man mit dem aktuellen Wissen in der Zeit zurückreisen kann, hätte ich diesen Knopf im ersten Jahr mit Sicherheit gedrückt.

Und Loki? Für den schien von Anfang an alles klar. Der stupste mir schon am Trapo-Parkplatz mit der Nase freundlich in’s Gesicht. Loki hat mir von Anfang an vertraut und blieb dabei. Egal wie traurig, wütend, verzweifelt ich war und ab und an immer noch bin. Vielleicht sieht er nur einfach keine andere Möglichkeit für sich. Trotzdem bewundere ich ihn dafür. Er ist mein größter Fan.

Wo stehen wir jetzt nach knapp 1,5 Jahren?

Nach über 1 Jahr intensivem Training mit einer spezialisierten Hundeschule arbeiten wir in Sachen Alleine-Bleiben weiter an den Basics. Nach Lokis bisherigem Lerntempo rechne ich mit dem ersten Supermarktbesuch etwa Anfang nächsten Jahres. Die Vorstellung mit diesem Hund jemals ein selbständiges Leben zu führen, sprich in die Arbeit und spontan aus dem Haus zu können habe ich mittlerweile aufgegeben. Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen.
Wir haben beide Spass beim Fungility. Wir streifen beide gerne durch die Gegend, wobei ich eher der Wanderer bin und Loki eher der Typ „1 Stunde Spiel, Spass und Mäusejagd auf der Wiese“. Ich konnte ihm das Wasser näherbringen und freue mich schon auf unseren ersten Urlaub am Meer.

Da spanische Maßbänder anders genormt sind und Loki meine 40cm- Obergrenze um gute 5cm sprengt habe ich jetzt ein Auto. Wir steigen beide nicht gerne ein (ihm wurde zumindest am Anfang öfters schlecht). Lieber nutzen wir die U-Bahn. Die wurde in Lokis Verständnis vermutlich als rollendes Brösel-Buffet konzipiert. Mit Vorspeisen und Nachtisch im Aufzug und am Bahnsteig. Niemals mehr würde er einem hingeworfenen Leckerlie nur hinterherguggen.

Ich habe schon geflucht, als ich ihn nach einer Verstauchung tagelang in den 3 Stock schleppen musste. Andererseits brauche ich dann wenigstens nicht dem Fitness-Studio hinterherjammern. Der gewünschte „Charakter“ äußerte sich u.a. im ersten Haftpflichtschaden: Katzenpfote macht sich nicht gut im Hundemaul.

Ich liebe Lokis Kuscheleinladungen morgens im Bett und frage mich, warum die immer nur unter der Woche kommen. Ich liebe es, wenn er auf der Wiese aus 100m Entfernung mit flatternden Ohren und strahlendem Blick auf mich zusprintet.

Ich sehe ihm gerne zu wenn er richtig Gas gibt und weite Kreise rennt. Ich liebe es, wenn er sich quasi in mich reinrollt zum Kuscheln und beneide ihn, wenn er mir im Homeoffice die Ohren vollschnarcht.

Das Alleine-Bleiben-Training mit allem Drum und Dran, das Hinbringen und Abholen vom Hundesitter = Eltern fressen unbandig Zeit. Zeit die eigentlich nicht da ist aber irgendwie läuft es mittlerweile. Apropos Eltern: die lieben ihren 4-beinigen Enkel heiß und innig. Als echter Frauenheld hat Loki bei meiner Mutter sofort ganze Arbeit geleistet und mittlerweile geht er von sich aus mal zu meinem Vater.

Neulich war ich mal wieder im Freibad, alleine, da Hunde nicht erlaubt. Ich war immer gerne dort gewesen und dachte an einen Nachmittag „wie früher“. Es fühlte sich aber nicht an wie früher. Die Decke war so leer, es fehlte einfach jemand. Loki. Dabei kam mir der der Satz eines Mann im letzten Sommer in den Sinn: Ich war mit Loki im Biergarten, er lag entspannt neben meinem Tisch.

Ein Mann an meinem Nachbartisch meinte zu seiner Begleitung „schau mal die 2, die passen perfekt zusammen“. Der Mann hatte wohl recht.

Loki hat jedenfalls sein Happy End. Ich noch nicht ganz. Aber wir arbeiten dran.