Abschied nehmen - Geschichte (Bulgarien)
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Abschied nehmen – Geschichte (Bulgarien)

Eine Geschichte, die Marlena aus der Klasse 7c des Sankt-Viti Gymnasiums im Rahmen eines Tierschutzprojektes geschrieben hat.

Ich schlug meine Augen auf. Ich war so müde.

Das Fell von meiner Mama war so weich. Eigentlich hätte ich, egal was kommt, weiter geschlafen, aber Tina klingelte mit der Glocke und das hieß: Es gab endlich Essen.

Bei Tina wohne ich schon mein ganzes Leben. Na gut ich bin fünf Monate alt, aber trotzdem. Bei mir, meinen fünf Geschwistern und meiner Mama kommt schon was zusammen. Sieben unterschiedliche Näpfe, aber meine Geschwister und ich werden bald verkauft. Soweit ich weiß, ist es Tinas Job, Hunde zu züchten und sie dann zu verkaufen. Leicht taumelnd rannte ich in die Küche, wo wir immer unser Essen bekommen. „Bitte schön, Mailo“, rief Tina mir entgegen und ich gab noch mehr Gas. Sie stellte meinen grünen Napf auf den Boden. Es roch so unbeschreiblich gut. Ratz fatz war meine Schale auch schon leer. Das geht immer schnell bei mir, obwohl ich jedes Mal hinterher bereue so schnell gegessen zu haben. Einerseits weil ich dann Bauchschmerzen bekomme, andererseits weil ich dann erstmal nichts mehr zu essen kriege. Irgendwann lerne ich schon noch aus meinen Fehlern.

Ich bin auf jeden Fall Mailo, ein Mischling, ich habe weiß-schwarzes Fell. Zusätzlich zu uns Hunden hat Tina auch noch eine Katze namens Mimi und ein paar Schafe. Die mag ich echt überhaupt gar nicht. Meine Mama Yuki, vier Brüder und meine Schwester hätten mir gereicht. Nachdem wir gegessen hatten, durften wir wieder in unseren eingezäunten Bereich. Eigentlich wollte ich nur schlafen, aber Blue kam schon sehr angriffslustig auf mich zu. Blue ist der Älteste, aber er benimmt sich nicht so. Immer will er Stress. Ist wirklich anstrengend. Besonders weil er sich wie der König fühlt.

Auuuuuuu. Ich schrie auf. Er hat mir tatsächlich ins Ohr gebissen. Jetzt sprang er vor meiner Nase ganz provokant herum. So ein Angeber. Ich probierte ihn zu ignorieren, aber als er nochmal zubiss, lief ich weg und versteckte mich hinter Mamfreds Fell. Mamfred hieß so, weil er sehr viel dickes und langes Fell hatte und so halt auch im allgemeinem dicker aussah. Eben so, als hätte er zu viel gemampft. „Hey Blue, herkommen!“ Tina holte Blue zu sich und ließ ihn in den Garten, damit er mich nicht mehr ärgern konnte. Puh, das war knapp. Jetzt legte ich mich in meinen Korb. Der war kuschelig. Als ich gerade wieder schlafen wollte, packte mich eine Hand. Plötzlich zappelte ich, ich hatte riesige Angst!

Die Hand ließ mich wieder fallen. „Er beißt mich!!“, rief ein Mann, „beißt er sonst auch?“. Tina stand daneben und antwortete „Herr Walter, sie haben ihn erschreckt. Sie müssen sich vorsichtig annähern, Mailo ist ein wirklich Braver. Ich kann ihn ihnen wirklich empfehlen.“ „Meine Tochter hat sich eigentlich ein Mädchen gewünscht. Haben sie auch Mädchen?“ Tina antwortete ruhig: „ Ja, aber sie ist schon vergeben“. „Bedauerlich“, sagte der Mann namens Herr Walter: „ Schade, aber das kann man ja nicht ändern. Ich nehme diesen Maik da!“ Tina war mittlerweile etwas genervt. „Sein Name ist Mailo. Sind sie sich sicher, dass sie in haben wollen?“ „ Was soll das denn heißen?“ Herr Walter schaute böse drein, „meine Tochter wünscht sich einen Welpen, also bekommt sie auch einen Welpen!“ Tina nickte einfach nur. „Haben Sie denn alles, was sie brauchen? Ich möchte nur sicher gehen, dass es meinen Hunden gut geht“ „ Was braucht man denn so für einen Köt…. ähhhhh Hund?“, fragte der Mann. „Körbchen, Müllbeutel, Näpfe, etwas Spielzeug und natürlich Futter, Wasser und Leckerlies, aber da ist Mailo ganz unkompliziert. Nicht war?“ Tina streichelte mir über den Kopf. „ Jap klar“. Selbst ich merke, dass Herr Walter nicht zuhörte, und zu dem soll ich nach Hause? Aber er hat eine Tochter, also ein Kind. Ich liebe Kinder. Ich fing sofort an herumzuspringen, ich freute mich schon so.

Abschied nehmen - Geschichte (Bulgarien). Mailo.„Ich verabschiede mich noch kurz von ihm“, sagte Tina mit trauriger Stimme. Sie kam auf meine Höhe. Sie flüsterte mir jetzt zu: „Tschüss mein Schatz. Du hast es auch gut bei deiner neuen Familie.“ Es klang aber nicht überzeugt gemeint. Ich schmiegte mich an Tina an und lief dann rein zu Mama und meinen Geschwistern. Meine Schwester Flöckchen wurde gestern schon abgeholt. Ich kuschelte mich an Mama, dann an Mamfred und am Ende noch an meine anderen Geschwister. Auch an Blue, wer weiß, wann wir uns wiedersehen. Als ich wieder zu Tina und Herrn Walter kam, stand eine Box auf dem Boden. Sollte ich da rein? „Rein mit dir, Mailo!“,meinte Tina schließlich. Ich wollte aber nicht. Die Box war mir viel zu klein, naja, ich schnupperte erst mal. Drinnen lagen meine Lieblingsleckerlies. Ich hatte es zwar durchschaut, wenn ich drinnen die Leckerlies aß, machten sie die Klappe zu und ich bin eingesperrt, aber es roch so gut! Ich ging vorsichtig hinein und klapp. Es geschah das, was ich erwartet hatte, ich wurde eingesperrt. War das eng!

Plötzlich hob ich ab. Ich glaub, Herr Walter nahm meine Box und brachte sie zu seinem Auto. Er stellte mich auf die Rückbank. Tina winkte mir zu. Ging ich jetzt für immer weg von ihr? Das wollte ich aber nicht! Ich fing an zu quietschen. Das Auto setzte sich in Bewegung. Das war ein komisches Gefühl. Ich quiekte noch mehr. Nach einer kurzen Zeit schlug Herr Walter gegen meine Box: „Sei still!“. Okay, dann war ich leise, aber es ging mir gar nicht gut. Ich glaubte, ich musste mich übergeben, und ich tat es auch. „ Ekelhaft, du scheiß Köter! Wenn meine Maja Denise keinen Welpen wollen würde, hätte ich dich niemals gekauft! Dann muss ich unserer Haushälterin noch mehr Stunden bezahlen!“ , schimpfte Herr Walter. Dann hielt das Auto plötzlich an.

Neues Zuhause (Bulgarien)

Wir standen vor einem riesigen Haus. Es war mindestens dreimal so groß wie das Haus von Tina, obwohl Tinas Haus schon sehr groß war, das hat jedenfalls mal ein kleines Mädchen gesagt. Tina hat Kindern ohne Haustieren erlaubt zu ihr zu kommen und mit den Hunden zu spielen. Die meisten Kinder bewunderten Tinas großes Haus, aber dieses war noch riesiger. Es gab auch einen großen Garten, dort kann ich bestimmt gut herumlaufen und mit der Tochter spielen, dachte ich. Die Eingangstür war riesig. Es gab viele große Fenster. Alles war weiß. Ich fing wieder an zu quieken. Ich saß jetzt schon so lange in dieser doofen Box. Ich wollte endlich raus. Ja, endlich kam Herr Walter auf mich zu. In der Hand hatte er ein rotes Handtuch. Er öffnete die Tür und warf es über mich. Hey, was soll das? Ich will raus! Ich bellte und bellte. Herr Walter hob mich hoch und brachte mich in einen kleinen Raum, das konnte ich sehen, als er das Handtuch runtergezogen hatte. Ganz schön kalt hier. Er öffnete die Klappe und ich tastete mich vorsichtig nach draußen. Der Mann verschwand wieder. Wo war ich hier? Im Haus auf jeden Fall nicht. Auf dem Boden stand ein Napf mit Wasser, erstmal was trinken. Herr Walter ließ mich bestimmt zwei Stunden in dem Schuppen. Ohne Essen und ohne Möglichkeit auf´s Klo zu gehen, wenn ihr versteht.

Irgendwann am Abend kam Herr Walter wieder mit einem rosafarbenen Karton. Er griff mich unterm Bauch, das mag ich echt gar nicht. Er setzte mich in den Karton und machte ihn zu. Ich konnte spüren, dass er den Karton anhob und irgendwann wieder abstellte.

Weihnachtsabend (Bulgarien)

„Schatz, der Weihnachtsmann war da!“, rief Herr Walter. Was für ein Mann war gekommen? Ich hörte stürmische Schritte. Eine Frauenstimme sprach: „ Prinzessin, die Geschenke sind alle für dich!“ Es war so dunkel. Wann durfte ich endlich raus? Ich fing an zu kratzen. Jemand nahm endlich meine Box. Ich hörte ein seltsames Reißen. Jetzt öffnete jemand die Kiste und ich blickte in ein Gesicht. Es war ein Mädchen mit langen, roten geflochtenen Zöpfen. Sie hatte eine Zahnspange und lachte.

„Oh, ein Hund!“ Sie nahm mich auf den Arm und küsste mich. Das Mädchen musterte mich und sagte dann: „Ich nenne sie Serafina und Mama, ich will für sie alles in rosa!“ „Schätzchen“, meldete sich nun Herr Walter zu Wort, „Serafina ist ein Junge. Er heißt Mailo“. Er redete sehr ruhig und freundlich. Das Mädchen ließ mich fallen: „Ein Junge. Ich wollte ein Mädchen!!!

Doofe Hunde, wenn ich kein Mädchen kriege, will ich keinen Hund!“ Die Kleine rannte die Treppen hoch. „Es tut uns Leid, Maja Denise. Aber wir haben ihn jetzt“, sagte Frau Walter. Eine Tür knallte. Ich glaube, Maja Denise mochte mich nicht so gerne. Das tat mir richtig Leid! Ich kann auch ein Mädchen sein, wenn das geht, damit sie mich mag, obwohl ich echt gerne Mailo bin! „ Ich hab dir gesagt, wir sollen keinen Hund kaufen“, meinte Frau Walter zu ihrem Mann. „Dummer Köter“. Sie kam bedrohlich auf mich zu. Ich duckte mich, aber Frau Walter trat mich. Wirklich! Ihr Fuß traf meinen Bauch. Au….! Ich heulte auf und lief dann hinter so einen komischen Baum. Ich versteckte mich hinter dem Karton, aus dem ich vorher unbedingt heraus wollte, aber jetzt wünschte ich, ich wäre einfach drin geblieben.

Frei? (Bulgarien)

Ich war jetzt bereits fünf Tage bei Familie Walter und es war der reinste Albtraum. Ich schlief auf dem Boden und wurde ständig getreten. Ich musste allein draußen in den Garten und durfte meine Geschäfte nur an einem bestimmten Fleck verrichten. Ich hatte nichts und niemanden zu spielen. Zu trinken hatte ich nur, wenn ich Frau Walter im Weg lag und damit ich ging, gab sie mir dann etwas. Als Essen bekam ich immer irgendwelches Zeug. Komische Wurst. Eigentlich mag ich echt alles, aber das? Ahhh!!! Bei Tina war alles besser und ich wünschte einfach, sie hätte mich nie verkauft. Eines Tages kam Maja Denise die Treppe hinuntergestürmt. „Mami, Mami morgen ist 2026!“ „Super Schatz!“. Maja Denise lief zu mir. Heißt dieses 2026, dass sie mich jetzt mochte? Falsch gedacht! Sie fügte mir einen Tritt zu und dann noch einen. Warum tut sie das? Bestimmt war ich wieder im Weg. Ich rannte ins Wohnzimmer, zu diesem Baum, der immer noch da war. Aber wenigstens war er ein gutes Versteck. Der Tag verging so wie jeder Tag, nur der Abend, der war anders. Herr Walter, Frau Walter und Maja Denise zogen sich warme Jacken, Mützen und andere lange, stoffige Teile an. Dann nahm Herr Walter mich auf den Arm. Das war sehr ungewohnt für mich. Er steckte mich wieder in diesen Karton. Dann hob er ihn hoch und brachte mich nach draußen, dies merkte ich, weil es auf einmal super kalt wurde, aber dann auch wieder warm. Ich glaubte, wir waren im Auto. Wir fuhren los. Zwischendurch hatte Maja Denise öfter gegen meinen Karton gehauen. Warum? Ich hatte nichts gemacht! Was war nicht richtig mit mir? Ich fühlte mich so schlecht. Ich wollte niemanden enttäuschen. Ich wollte nicht, dass mich Maja Denise nicht mochte. Ich wollte nicht Schuld sein, an gar nichts.

Plötzlich hielten wir an. Und eine Tür ging auf. Herr Walter nahm meinen Karton. Er ging ein Stückchen und stellte die Box schließlich ab. Herr Walter machte die Box auf. Verwirrt guckte ich mich um. Herr Walter war schon auf dem Rückweg.

Abschied nehmen - Geschichte (Bulgarien). Mailos Freunde.Wir waren in einer Seitengasse mit überfüllten Mülltonnen. Das Auto der Walters stand am Ende der Gasse am Straßenrand. Das Auto setzte sich in Bewegung. Wohin fuhren sie und warum war ich hier? Ich rannte ein Stück hinter dem Auto her, aber dann entschied ich, dass es keinen Sinn mehr ergab. Sie hatten mich hier gelassen. Allein! Und ich wusste, dass sie nicht mehr wiederkommen würden. War ich jetzt frei? Ich war nicht mehr bei den schlimmen Walters, aber wie war es ohne Zuhause? Und wollte ich lieber allein sein oder bei Menschen, die mich schlecht behandelten? Ich trottete wieder zurück zu meinem Karton. Es stank so sehr aus diesen Tonnen. Es war schon dunkel und irgendwo läutete es. Insgesamt zwölf mal. Plötzlich fing es an zu knallen. Was war das? Es hörte nicht mehr auf und jedesmal erschrak ich gleich doll wie beim ersten Knall. Ich drückte mich in meinen Karton und fing an zu zittern und plötzlich wusste ich, ich war nicht frei! Es war kalt, nass, laut und alles zu viel für mich! Es war das Schlimmste, was mir je passiert war. Der Himmel leuchtete bunt und grell. Ich hörte irgendwo in meiner Nähe Stimmen. „Frohes neues Jahr!“ Neues Jahr? Ich konnte nicht mehr! Bei jedem Geräusch blieb mir das Herz stehen! Mir wurde so schwindlig und alles wurde schwarz.

Eine zweite Chance (Deutschland)

Ich öffnete meine Augen. Wo war ich? Lebte ich noch? Ich lag in einem gemütlichen Körbchen. Ich schaute mich vorsichtig um. Ich war in einer Art Zimmer. Ich hörte bellen und kratzen. „Mailo, hallo Mailo“. Eine große Frau mit kurzen, blonden Haaren stand vor mir und lächelte mich an. Ich wusste nicht, was sie wollte, und duckte mich weg. „Mailo“, sagte sie ganz vorsichtig, „du bist hier bei der SALVA Hundehilfe“. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was das war, fand ich das es gut klang. „Wir haben dich gerettet! In der Silvesternacht warst du allein draußen, dir ging es gar nicht gut, aber hier geht es dir besser! Bald kommst du zu einer Pflegefamilie!“ Ich entschied, dass diese Frau nett sein musste, aber was war eine Pflegedings? „Du bist hier in Deutschland. Zuerst warst du in Bulgarien, da hast du gewohnt bei einer Züchterin und dann bei einer Familie, oder?“. Bulgarien, kann schon sein. Tina hatte eine andere Sprache gesprochen und Familie Walter auch, aber ist ja auch egal, viel wichtiger ist, dass ich jetzt hier bin.

Langsam lebe ich mich hier auch ein. Aber ich wünsche mir unbedingt ein Zuhause! Ich liebe Menschen und Kinder. Bei der SALVA Hundehilfe sind aber auch andere Fellnasen, die ebenfalls unbedingt ein neues Zuhause möchten.

Es gibt zum Beispiel meine Freundin Nami, die aus Spanien kommt und auf einem Auge blind ist, Bruno, der auch aus Spanien kommt, jetzt in einer Pension lebt und wegen seiner Nierenerkrankung angepasstes Futter braucht, oder auch Pirata, der etwas scheu, aber super lieb ist.

Allein auf der SALVA-Seite gibt es so viele Tiere, die es verdient haben, ein Zuhause zu finden!

Auf der ganzen Welt gibt es Tiere in Tierheimen oder in Pflegefamilien. Die Hunde fühlen sich dort in der Regel wohl, aber es ist keine langfristige Lösung! Bitte denkt bevor ihr euch einen Hund anschafft, darüber nach ob ihr ihn vom Züchter oder aus einem der überfüllten Tierheime holt und diese so dann entlastet. Hunde von Züchtern haben bei jedem eine Chance, weil sie keine prägende Vorgeschichte oder Handicaps haben, aber wenn ihr viel Zeit habt und einen solchen Hund aus dem Tierheim aufnehmen könnt, dann tut das bitte. Schaut euch wenigstens mal um, vielleicht findet ihr ja sogar einen Hund oder ein anderes Tier, das zu euch passt.

Die Geschichte von Mailo habe ich mir nur ausgedacht, aber ich wollte aufklären! Bitte kauft keine Hunde, wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr für sie sorgen könnt und ob sie euch wirklich gefallen. Bitte denkt darüber nach, ob ihr zu Silvester wirklich böllern müsst oder ob auch Wunderkerzen reichen, gerade wenn man weiß, wie sich Tiere dabei fühlen! Bitte denkt darüber nach wie, ihr euer Tier behandelt und ob ihr das auch mögen würdet, wenn das jemand bei euch machen würde.