Lieber Sunny,
genau vor sechs Jahren bist du aus dem Transporter aus Spanien ausgestiegen und in unser Leben gekommen.
Da ich damals krank war, hat dich meine Tochter abgeholt. Als ich dich zu Hause zum ersten Mal gesehen habe, bekam ich einen ganz ängstlichen, verunsicherten Hund, dem die Sorgen noch deutlich ins Gesicht geschrieben standen.
Das erste Jahr mit dir war nicht immer einfach. Du hattest vor so vielem Angst, hast dich aber trotzdem erstaunlich schnell an uns gewöhnt. Und du hattest auch jede Menge Unsinn im Kopf. Keine Gelegenheit hast du ausgelassen, irgendwo Futter oder Essen zu klauen. Und wenn ich das Haus verlassen habe, hast du mir ziemlich zuverlässig überall hingepinkelt.
Aber mit den Jahren sind wir immer mehr zusammengewachsen. Aus dem ängstlichen Hund wurde ein unglaublich toller, sanfter und liebevoller Begleiter, der sich tief in mein Herz geschlichen hatte.
Die meisten deiner Ängste hast du schnell abgelegt. Fremde Menschen, die zu Besuch kamen, hast du irgendwann voller Freude begrüßt – schließlich wusstest du ganz genau, dass sie dich streicheln würden. Und davon konntest du niemals genug bekommen. Streicheleinheiten waren für dich einfach das Größte.
Dabei warst du mit so wenig zufrieden.
Du hast keine großen Dinge gebraucht, um glücklich zu sein. Ein bisschen Aufmerksamkeit, ein paar Streicheleinheiten und du warst zufrieden.
Und wenn du dich so richtig gefreut hast, hast du deine ganz eigenen kleinen Pirouetten gedreht – als könntest du deine Freude gar nicht anders zeigen. Dieses Bild werde ich niemals vergessen.
Auch mit meinen anderen Hunden und mit all den vielen Pflegehunden warst du einfach unglaublich toll. Geduldig, freundlich und immer mittendrin.
Du hast dich in unsere Familie eingefügt, als hättest du schon immer zu uns gehört.
Erst vor ein paar Wochen habe ich noch zu meiner Tochter gesagt:
„Lustig, der Sunny wird überhaupt nicht älter. Der sieht heute noch genauso aus wie vor sechs Jahren.“
Ich hätte nie gedacht, wie schnell sich alles ändern würde.
Plötzlich wurdest du schlapp. Der Tierarzt stellte Krebs fest. Und dann ging alles so unglaublich schnell. Nach nicht einmal einer Woche, in der ich hilflos zusehen musste, wie es dir jeden Tag ein Stück schlechter ging, mussten wir dich gehen lassen.
Es bricht mir das Herz.
Du warst ein ganz besonderer Hund, Sunny.
Vielleicht gerade deshalb, weil ich erleben durfte, wie aus dem ängstlichen kleinen Hund aus Spanien ein fröhlicher, verschmuster und unglaublich liebevoller Begleiter wurde.
Sechs Jahre waren viel zu kurz.
Ein Teil meines Herzens geht mit dir. Aber die Erinnerungen an dich bleiben bei mir – an deinen Blick, deine Streicheleinheiten, deinen kleinen Unsinn und natürlich an deine kleinen Pirouetten, wenn du dich gefreut hast.
Ich werde dich niemals vergessen.
Lauf frei, mein großer Sunny.
Und wenn es irgendwo einen Ort gibt, an dem wir uns wiedersehen, dann hoffe ich, dass du dort auf mich wartest.

